Tief Atmen, dann fühlen wir uns schon besser…

Tief Atmen, dann fühlen wir uns schon besser…

 

 

 

 

von Sabina Pilguj

Zu atmen ist die einfachste Sache der Welt, aber es kann auch eine große Herausforderung für uns sein. Gerade in Zeiten wie diesen.

Atem geschieht

Unser Atem ist unser „Lebenselixier“, denn atem bedeutet zu leben. Atmen ist die natürlichste Sache der Welt und unsere kostenlose Energiequelle.

Wir atmen, unser Atemstrom fließt ein und aus. Es geschieht von alleine, denn der Atem wird automatisch über das vegetative oder autonome Nervensystem geregelt. Aber wir können diesen vegetativen Vorgang willentlich beeinflussen, um die heilsame Kraft des Atems zu nutzen.
Tief Atmen, dann fühlen wir uns schon besser…

 

Lang und tief zu atmen ist sehr wichtig, denn je tiefer, intensiver und freier wir atmen, umso mehr Sauerstoff gelangt über die Lunge ins Blut und C02 wird aus dem Körper abtransportiert. Unser Atem strömt normalerweise frei und wir atmen entspannt ein und aus. Fühlen wir uns aber gestresst, wird der Atem schnell zu flach und zu kurz. Achtung! Eine flachere Atmung hat Einfluss auf unsere Gesundheit, denn bei einer guten Bauchatmung gelangt nicht nur mehr Sauerstoff in den Körper, sondern die Bauchorgane werden durch die Atembewegung sanft stimuliert.

 

  • Gesunde Erwachsene atmen etwa 15 bis 20-mal pro Minute ein und aus (Ruhefrequenz/Quelle Lungenliga.ch).
  • Pro Tag sind es etwa bei 15 Atemzüge pro Minute insgesamt 21.600 Atemzüge, die uns Leben schenken.

 

Corona macht uns manchmal atemlos

Auch wenn sich gerade einige Beschränkungen wieder lockern und wir auf dem Weg zur „neuen Normalität“ sind, befinden wir uns dennoch inmitten einer schwierigen Phase. Die Zeit der Corona-Pandemie ist für uns alle, für die Erwachsenen und auch für die Kinder, eine große Herausforderung. So eine Art Pandemie haben wir noch nicht erlebt. Wir haben bisher keine Erfahrung im Umgang mit solch einer Situation sammeln können und für unser Gehirn ist die aktuelle Situation neu. Das Covid19- Virus wirkt wie eine unsichtbare Bedrohung.

Wir müssen die Situation erst einmal verstehen, einordnen, für uns sortieren und lernen, damit zu leben. Täglich erreichen uns neue Meldungen und Informationen zu dem Coronavirus. In den Medien wurden teileweise sehr erschreckende Bilder mit vielen Särgen und Toten gezeigt, die uns alle erschütterten. Dann kam auch noch die neue Situation, die Maskenpflicht in Deutschland. Auch das sorgte und sorgt noch immer bei vielen Menschen für ein Gefühl der Unsicherheit, der Befürchtung aber auch für ein Unbehagen oder eine innere Unruhe.

Diese vielen Eindrücke machen etwas mit uns und den Gefühlen. Bei all den Schreckensbildern und Informationen hat man schnell das Gefühl „da bleibt mir glatt die Luft weg“. „Mir stockt der Atem“, denn vor lauter Aufregung, Angespanntsein, Sorge oder Ängstlichsein komme ich ganz außer Atem. Diese Formulierungen zeigen, wie schwierige Situationen oder psychische Belastungen unseren Atemrhythmus durcheinander bringen können. Die Sorgen und Ängste nehmen uns im wahrsten Sinne des Wortes die Luft zum Atmen.

Und es ist wirklich so, denn auch ich konnte beobachten, dass sich mein im Einkaufsmarkt verändert hat. Mein Atem wurde sehr viel flacher. Nicht, weil ich bewusst den Atem angehalten habe, sondern es geschah ganz unbewusst! Ich fühlte mich nicht gut dabei und wie viele mögen sich wohl atemlos in der Coronakriese fühlen?
Corona macht uns manchmal atemlos

Angst macht uns eng und beeinflusst unseren Atem

Unsere Atmung spiegelt unsere Stimmung wider und somit hat unser Atemrhythmus einen gewaltigen Einfluss auf unser Befinden.

Bei erhöhter innerer Anspannung, sich Sorgen, bei Stress oder Aufregung, verändert sich unser Atem. Es greifen biologische Programme aus der Steinzeit, der „innere Neandertaler“ (so nenne ich diese Reaktionen) meldet sich. Der Atem wird flacher und oftmals nicht mehr so gleichmäßig.

Der Atem strömt nicht mehr tief in den Bauch, weil sich der Brustkorb bei Stress leicht zusammen zieht und das Zwerchfellsich verspannt. Unangenehme Gefühle, ausgelöst durch die derzeitige Situation, sind wie eine Gefühlsachterbahn mit hohem Stressfaktor. Dieses Stresserleben sendet Impulse an unsere Muskulatur und es kommt zu einer körperlichen Anspannung. Desweiteren kommt es durch das Stresserleben zu einer erhöhten Ausschüttung von Stresshormonen. Der innere Neandertaler möchte auf uralte Überlebensmechanismen zurück greifen – den Fight-, Flight oder Freezemodus. Eine Aktion, also Kampf oder Flucht, gehört aber nicht zu den heutigen Bewältigungsstrategien. Wir bleiben quasi im Stress stecken und es werden weitere Schutzmechanismen des Körpers aktiviert. Beispielsweise werden die Schultern hochgezogen, der Brustkorb verengt sich, die Bronchien verkrampfen sich, weil man vor lauter komischen Gefühlen unbewusst flacher atmet oder sogar die Luft anhält und man sich irgendwie einigeln möchte. Zu Zeiten des Säbelzahntigers war das „Freeze“, also sich regungslos bzw. tot stellen.
Das Fatale ist nur, dass genau diese zusammengezogene, eigentlich schützende Körperhaltung die Atmung beeinflusst, aber im negativen Sinne. Daher fühlen wir uns bei Unwohlsein, Angst oder bei erhöhtem Stress atemlos und sehr angespannt. Man nimmt sich nicht mehr die Zeit, bewusst zu atmen, bzw. spüren wir uns nicht mehr. Dazu kommt die „komische“ Körperhaltung, die eine freie Atmung kaum ermöglicht. Diese Körperhaltung hat wiederum Einfluss auf unsere Emotionen. Körperhaltungen beeinflussen unsere Gefühle und unsere Gefühle beeinflussen unseren Körperausdruck. In dem Buch „Embodiment“ (Die Wechselwirkung von Körper und Psyche verstehen und Nutzen / Maja Storch, Benita Cantieni, Gerald Hüther, Wolfgang Tschache, Verlag Huber) wird dieses Zusammenspiel von Körper und Psyche nicht nur gut beschrieben, sondern auch durch Bilder anschaulich dargestellt, die mittels Wärmebildkamera aufgenommen wurden und zeigen, welche Veränderungen durch Körperhaltungen geschehen.

Der Atem wird in Stresssituationen kurz und flach, dabei wäre es extrem wichtig genau jetzt einmal tief durchzuatmen. Das ist nämlich ein guter Gegenimpuls zu dem Stressempfinden.

Seufzen befreit

Wie wäre es einfach mal zu Seufzen? Ich erinnere mich noch sehr gut an meine Uroma, wie sie nach getaner Arbeit im Sessel saß und einfach ein paarmal tief seufzte. Es ist ein tolles Hilfsmittel, um den Atem für einen Moment wieder intensiver und tiefer werden zu lassen – und es sorgt für ein sofortiges Wohlgefühl. Jeder Seufzer darf auch geräuschvoll zelebriert werden.

⇒ also einfach einmal seufzen

Inhale – exhale

Mit der bewussten Wahrnehmung unserer Atmung und besonderen Atemübungen können wir direkten Einfluss auf unser Wohlbefinden nehmen. Wie wohltuend es sich anfühlt, weiß wer Yoga oder andere Entspannungstechniken übt.

Inhale - exhale

Eine gute Atmung bedeutet, lang und tief, sowie entspannt zu atmen. Im Yoga heißt es, dass wir über das Atmen in Verbindung und Austausch mit der Welt sind. Über die Luft, die wir einatmen, nähren wir unseren Körper mit Prana (Lebensenergie).

Nutzen wir doch die Heilkraft unserer Atmung!

TIPPS
Achtsame Atemübungen: Atmen Sie bitte durch die Nase ein und durch die Nase wieder aus.

1) Einfach mehrmals pro Tag bewusst lang und tief durchatmen und sich spüren – denn zu atmen bedeutet zu leben!

„Ich atme ein – ich atme aus“, konzentrieren Sie sich bewusst auf das Ein- und Ausatmen. Sie können auch „Ein“ – beim Einatmen und „Aus“ beim Ausatmen als eine Art Mantra denken. Fast automatisch werden die vielen Gedanken gestoppt, weil der Focus auf das Atmen gelegt wird.

2) Üben Sie die achtsame Vollatmung, das bewusste Ein- und Ausatmen:

Einatmen: Atmen Sie in einem Atemzug ein (aber mit 3 Stationen, ohne Zwischenstopp) – füllen Sie zuerst den Unterbauch, den Oberbauch und dann die Lungen. Spüren Sie wie sich die Bereiche weiten.

Ausatmen: Atmen Sie in einem Atemzug aus, leeren Sie zuerst die Lungen, den Oberbauch und dann den Unterbauch.

Konzentrieren Sie sich auf Ihren Atemrhythmus.

Diese Übung kann man überall zwischendurch anwenden und sehr intensiv ist es, diese im Liegen zu machen. Gleichzeitig liegt der Fokus auf dem Bauch, wie er sich beim Einatmen wölbt und sich beim Ausatmen wieder zurück zieht

3) Wichtig ist es auch, durch besondere Körperübungen den Brustkorb wieder zu weiten, damit sich die Atmung wieder vertiefen kann.

Ich finde es gerade in Zeiten dieser Pandemie sehr wichtig für eine Körperaufrichtung und freie Atmung zu sorgen – es tut unserer Gesundheit einfach gut.

Eine meiner Lieblings-Notfall-Yogaübungen ist das „Flügelschlagen“. Einige Frauen aus meinem Yogakurs möchten diese Übung nicht mehr missen, weil sie schon nach kurzer Zeit des Übens ein Wohlgefühl schenkt.

Die Übungsanleitung finden Sie in meinem Beitrag „Yoga für Kinder wirkt manchmal Wunder“. Ich habe diese Yogaübung vorgestellt und genau beschrieben warum diese nicht nur für Kinder wichtig ist.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Üben und bleiben Sie gesund!

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alexandra

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