Schweine mit menschlichen Organen – Japan erlaubt Züchtung von Mensch-Tier-Chimären

 

 

 

In Tieren wollen Forscher menschliche Organe heranwachsen lassen. Getestet haben sie das bislang nur bei wenige Wochen alten Embryonen. In Japan sollen Mensch-Tier-Chimären nun auch zur Welt kommen dürfen.

 

 

 

Schweine-Embryo (Symbolbild)

UIG via Getty Images

Schweine-Embryo (Symbolbild)

 

 

 

Forscher in Japan dürfen künftig Tiere züchten, die menschliche Organe haben. Das Wissenschaftsministerium in Tokio hob laut der Nachrichtenagentur AFP mehrere Einschränkungen für das Einpflanzen menschlicher Stammzellen in Tieren auf. Dadurch könnte Menschen geholfen werden, die bisher vergeblich auf eine Organspende warten. Die Technik ist aber noch nicht ausgereift.

Die neuen Regeln erlauben es Wissenschaftlern, Tierembryonen eine spezielle Art menschlicher Stammzellen einzupflanzen und diese Embryonen dann auch austragen zu lasen. Diese sogenannten induzierten pluripotenten Stammzellen (iPS-Zellen) werden aus Körperzellen wie Hautzellen in ein frühes Entwicklungsstadium zurückversetzt und können sich dann wieder in jede Art von Gewebe entwickeln.

Bisher waren Forscher in Japan verpflichtet, solche Tierembryonen mit menschlichen Zellen nach 14 Tagen zu töten. Auch in den USA, Deutschland und anderen westlichen Staaten ist es verboten, solche Embryonen länger als ein paar Wochen heranreifen zu lassen. Ausgetragen werden dürfen sie nicht.

 

 

 

 

Pflicht, Tierembryonen nach 14 Tagen zu töten

Ein Ministeriumssprecher sagte der Nachrichtenagentur AFP, hinter der ursprünglichen Regelung in Japan hätten “ethische Bedenken über die unklare Trennlinie zwischen Mensch und Tier” gestanden. Man sei nun aber “zu dem Schluss gekommen, dass das Risiko, bei der Forschung einen neuen Organismus aus menschlichen und tierischen Elementen zu schaffen, technisch bei null liegt.”

Als erstes werden die nun erlaubten Versuche voraussichtlich an Schweinen vorgenommen. So könnte beispielsweise ein Schweineembryo mit einer menschlichen Bauchspeicheldrüse geschaffen und in die Gebärmutter einer Sau eingepflanzt werden. Das geborene Ferkel hätte dann eine menschliche Bauchspeicheldrüse.

Einige Experten haben allerdings Zweifel, dass die Organzucht auf diese Weise in absehbarer Zeit gelingen wird. Forscher arbeiten seit Jahren an der Methode. 2017 haben sie erstmals chimärische Embryonen aus Mensch und Schwein geschaffen.

 

 

 

 

Diese entwickelten sich sechs Wochen lang im Körper einer Sau, bevor sie getötet wurden. Eine Hürde bei der Methode ist allerdings, das Mensch und Schwein evolutionär recht weit voneinander entfernt sind. So ist die Tragzeit von Sauen mit knapp vier Monaten beispielsweise deutlich kürzer als eine Schwangerschaft beim Menschen. Viele Wissenschaftler halten daher Ansätze für vielversprechender, bei denen Organe von Tieren so aufbereitet werden, dass sie Menschen eingesetzt werden können.

 

 

 

jme/AFP

 

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