Klimaschutz – Forscher beurteilen CO2-Lagerstätten in der Nordsee als sicher

 

 

 

 

Den Kohlendioxid-Ausstoß drastisch zu senken, ist die große umwelttechnische Herausforderung. Es gibt auch Modelle, CO2 einzufangen und im Meer zu versenken. Forscher haben nun untersucht: Ist das auch sicher?

 

 

Nordsee: In leeren Gasfeldern könnten große Mengen CO2 gelagert werden. In einem Tauchexperiment haben Wissenschaftler aus Kiel deren Sicherheit untersucht.
Andrew Aitchison/ Getty Images

Nordsee: In leeren Gasfeldern könnten große Mengen CO2 gelagert werden. In einem Tauchexperiment haben Wissenschaftler aus Kiel deren Sicherheit untersucht.

Seit der Europawahl am Sonntag ist die Diskussion um stärkeren Klimaschutz auf der Prioritätenliste der großen Parteien nach ganz oben geklettert. Immerhin 48 Prozent der Befragten einer Umfrage von Infratest Dimap hatten die Sorge um Umwelt- und Klimaschutz als wichtigstes, wahlentscheidendes Thema angegeben.

Der Druck auf die Politik, bei der Vermeidung von Kohlendioxidemissionen voranzukommen, steigt. Wissenschaftler gehen jedoch schon jetzt davon aus, dass das allein nicht reichen wird: Um die Erderwärmung auf maximal 1,5 Grad bis 2100 zu begrenzen, wie es im Klimaabkommen von Paris festgehalten ist, muss auch Kohlendioxid aus der Atomsphäre zurückgeholt und endgelagert werden.

 

 

 

Aufbau des Gasfreisetzungsexperimentes mit dem Ocean Elevator Lander

ROV-Team/ GEOMAR

Aufbau des Gasfreisetzungsexperimentes mit dem Ocean Elevator Lander

 

 

 

 

Deshalb diskutierten Experten schon länger darüber, wie und wo man eingefangenes CO2 speichern könnte. Eine Möglichkeit: Die Verklappung in leeren Erdgasfeldern unter der Nordsee. Das wollen Fachleute mit dem Projekt “Porthos” in den Beneluxstaaten umsetzen, bei dem CO2 aus den Abgasen gefiltert werden sollen. Das unter dem Namen “Carbon Capture and Storage” (CSS) bekannte Verfahren stößt jedoch auf Kritik, weil befürchtet wird, die Lagerstätten könnten undicht werden und das CO2 erneut in die Atmosphäre gelangen.

 

 

 

 

CO2-Leckagen unter Wasser wären kein Problem

Wie ein Experiment nun zeigt, sind diese Sorgen bei einer Endlagerung von Kohlendioxid unter der Nordsee wohl unbegründet. Selbst wenn durch alte Bohrlöcher oder andere Leckagen CO2 aus der Lagerstätte ins Meer strömt, gelange es nicht in die Atmosphäre. Zu diesem Schluss kommt ein Team von Wissenschaftlern unter Leitung des Geomar Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung in Kiel. Ihre Untersuchungen ergaben, dass das Gas im Meer verbleibe. Das gelöste CO2 werde dann durch Gezeitenströmungen in der Nordsee schnell verteilt.

Die Wissenschaftler wollten wissen, wie sich ausgeströmtes CO2 am Meeresboden verhält. Dazu ließen sie in der Nordsee zwischen der Nordspitze Schottlands und der Südspitze Norwegens einen Tauchroboter zum Grund hinab. Er blies in 82 Meter Tiefe kontrolliert CO2 ins Wasser.

Das Ergebnis: Die CO2-Gasblasen lösten sich innerhalb von zwei Metern über dem Meeresboden im Wasser auf. Das klimaschädliche CO2 wurde nicht in die Atmosphäre abgegeben, sondern blieb in der Nordsee.

 

 

 

 

Gelöstes Kohlendioxid trägt zur Versauerung der Meere bei

Wenn Kohlendioxid sich auflöst, verändert sich allerdings der pH-Wert des Wassers – es wird saurer. “Diese Versauerung des Bodenwassers wirkt sich nachteilig auf die am Meeresboden lebenden Organismen aus”, erklärte Projektleiter Klaus Wallmann. “Aber die dort vorhandenen starken Bodenströmungen verteilen das gelöste CO2 rasch, sodass die Fläche am Meeresboden, auf der potenziell schädliche Auswirkungen auftreten können, gering ist.”

“Wir kommen daher vorläufig zu dem Schluss, dass es möglich ist, CO2 sicher in Formationen unter dem Meeresboden zu speichern, wenn sich der Speicherort in einem Gebiet mit wenigen undichten Bohrlöchern befindet”, lautet das Fazit von Wallmann.

Derzeit sind Kieler Wissenschaftler für ein zweites Freisetzungsexperiment in der Nordsee unterwegs, wie Geomar-Sprecher Andreas Villwock sagte. Allerdings hat sich die Kieler Landesregierung längst gegen die Speicherung von CO2 in Schleswig-Holstein ausgesprochen, teilte Patrick Tiede vom Umweltministerium mit.

Auch technische Probleme gibt es noch. Bisher ist unklar, wie CO2 weltweit effizient aufgefangen werden kann.

 

 

 

 

 

joe/dpa

 

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