Jeder vierte Deutsche hat eine Fettleber: Was die Leber verzeiht und was nicht

 

 

 

 

 

Fettleber ist die unbekannte Volkskrankheit. Gefährliche Folgen sind Leberentzündung, Zirrhose, Leberkrebs. Die Ursachen: Nicht nur Alkohol, sondern auch zu viele Kohlenhydrate und zu wenig Bewegung. Dabei ist die Leber extrem regenerationsfähig. Was sie schaffen kann und welche Belastungen sie überfordert.

Mehrere Tage hintereinander feiern und zu viel essen ist für die Leber unbestritten eine Herausforderung. Das Risiko, dadurch bereits einen Leberschaden zu bekommen, ist jedoch relativ gering. Voraussetzung: Der Betroffene ist ansonsten gesund und schlank und verfügt über eine robuste Konstitution.

 

 

Close up of toasting with wine in a restaurant!

 

 

„Wenn jemand aber vielleicht schon übergewichtig ist, Diabetes oder bereits eine Fettleber hat, kann das anders sein“, erklärt Markus Cornberg, Medizinischer Geschäftsführer der Deutschen Leberstiftung und Leitender Oberarzt der MHH-Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie.

Fettleber-Risiko: Bei Alkohol nicht auf „gute Gene“ verlassen

Zusätzlich kommt es auf die Veranlagung an. Mancher kann täglich eine Flasche Wein trinken und hat eine gesunde Leber, der andere genießt jeden Abend nur ein Glas Wein und bekommt eine Leberzirrhose, weil er bestimmte genetische Voraussetzung für die Entwicklung einer Fettleber mitbringt.

Auf günstige Gene sollte sich jedoch keiner verlassen, „immerhin haben in Deutschland rund 25 Prozent der Bevölkerung eine Fettleber, wie eine Studie zeigt“, warnt der Experte. Dabei handelt es sich bei der Fettleber an sich noch um keine Krankheit. Eine Fettleber zu haben, bedeutet erst mal, dass die Leber überschüssiges Fett eingelagert hat. Allerdings ist das Risiko groß, dass daraus eine Fettleberhepatitis(entzündung), danach eine Leberfibrose, Leberzirrhose und letztendlich Leberzellkrebs entsteht.

Mäßig, aber regelmäßig Alkohol trinken ist besonders schädlich

Eine unterschätzte, aber sehr häufige und massive Belastung für die Leber ist, wenn täglich ein, zwei Gläser Wein getrunken werden und sich der Konsum über die Jahre hinweg langsam steigert. Letztendlich bleibt es doch nicht bei einem „Gläschen“ und es kann schnell eine Flasche pro Tag daraus werden. Die Betroffenen selbst sind oft davon überzeugt, nicht zu viel zu trinken, weil sie gar nicht merken, wie viel sie eigentlich trinken.

Die Grenzwerte für risikoarmen Alkoholkonsum betragen für

  • Männer 24 Gramm Alkohol pro Tag, das entspricht einem halben Liter Bier
  • Frauen 12 Gramm, also die Hälfte

„Wer auf Dauer, also über Monate und Jahre hinweg, mehr trinkt, riskiert, dass die Leber verfettet, Leberzirrhose und Leberzellkrebs folgen“, warnt Markus Cornberg.

 

Leber kann sich rasch erholen

Völlige Alkoholabstinenz kann dann sogar eine Leberentzündung, die aus einer sogenannten alkoholischen Fettleber entstand, zum Abklingen bringen, wenn noch kein fortgeschrittener Leberumbau vorhanden ist, wie der Professor aus dem Klinikalltag berichtet. Manchmal reichen dafür schon ein bis zwei Wochen. Allerdings sind solche Beispiele eher die Ausnahme.

Fettleber oft nicht durch Alkohol, sondern durch zu wenig Bewegung

Geht es um Fettleber und daraus entstehende Leberkrankheiten, denken die meisten zwar, die Ursache sei Alkohol. Doch neben der alkoholischen Fettleber (AFL) spielt die nicht-alkoholische Fettleber (NAFL) eine immer wichtigere Rolle. Ursache für diese Form der Fettleber ist „primär etwa der Bewegungsmangel, der immer mehr Menschen betrifft sowie kohlenhydratreiches Essen und Übergewicht“, sagt der Experte. Kohlenhydrate wie Glucose und Fructose baut die Leber zu Fett um. Bei einem Überangebot wird es in der Leber als Depot abgelegt.

Billige Industriesüße geht auf die Leber

Dabei gehört zu den Kohlenhydraten im weiteren Sinne auch Fruktose. Also auch hoher und konzentrierter Konsum von Früchten kann zu einer Fettleber führen. „Dieses Risiko besteht etwa auch, wenn jemand regelmäßig übermäßig Smoothies trinkt“, erklärt der Experte. Fructose aus Obst ist zwar erst mal nicht problematisch.

In konzentrierter Form und vor allem bei isolierter und hochkonzentrierter Fructose, die vielen Lebensmittel (auch in Pizza und anderen Fertiggerichten) und Süßigkeiten zugesetzt wird, ist das jedoch anders. Erkennen lässt sich der riskante Süßmacher auf der Zutatenliste unter den Bezeichnungen

  • Isoglucose,
  • Isofructose oder
  • High-Fructose-Sirup

Leberbelastung mit Test feststellen

Was die Leber verzeiht und was nicht, hängt also von verschiedenen Faktoren ab: vom Lebensstil, weiteren Erkrankungen und der individuellen Konstitution. Eine Faustregel, wie viel jeder seiner Leber zumuten kann und ab wann eine Schädigung eintritt, gibt es nicht.

Doch wie lässt sich eine Erkrankung der Leber erkennen? Besonders tückisch: Es gibt kaum Anzeichen, denn die Leber tut nicht weh, auch wenn sie bereits schwer geschädigt ist. „Es gibt Patienten, die haben eine Leberzirrhose, aber nichts davon bemerkt, obwohl 90 Prozent der Leber bereits zerstört sind“, berichtet der Experte. Das einzige Symptom sei „Müdigkeit, der Schmerz der Leber.“

Die beste Möglichkeit, um den wahren Zustand der Leber zu erkennen: ein Bluttest beim Arzt, der die Leberwerte feststellt. Allerdings gehört diese Untersuchung nicht zum allgemeinen Gesundheitscheck, wie dem Check-up-35. Deshalb müssen Patienten über den Test der Leber-Blutwerte mit ihrem Arzt sprechen. Wenn Anzeichen für eine Lebererkrankung vorliegen, übernimmt die Krankenkassen die Kosten für diese Blutuntersuchung.

Zusätzlich hilft eine Ultraschall-Untersuchung dabei, das Organ zu kontrollieren. Die „helle“ Leber etwa ist ein Hinweis, dass Fetteinlagerungen vorhanden sind.

Lebensumstellung für die Leber – hilft sogar noch bei Leberzirrhose

Je früher eine Fettleber entdeckt wird, desto besser. „Bewegung, abnehmen, kein Alkohol ist eine wirkungsvolle Therapie“, rät Markus Cornberg. Studien zeigen, dass sich sogar eine fortgeschrittene Leberfibrose oder beginnende Leberzirrhose durch diese Lebensumstellung zurückbildet. Allerdings gelingt es nicht jedem Betroffenen auf Dauer, sich gesund zu ernähren und täglich zu bewegen.

Momentan werden verschiedene Medikamente gegen starke Fettleber und Leberfibrose entwickelt, die jetzt in Studien getestet werden und noch nicht auf dem Markt sind. Denn bekanntlich gibt es immer mehr übergewichtige Menschen und Diabetiker, die Prävalenz der Fettleber und die Anzahl der sich daraus entwickelnden Krankheiten wie Leberzirrhose und Leberkrebs steigen also deutlich an.

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