Es ist richtig, die Maskenpflicht in Frage zu stellen

Es ist richtig, die Maskenpflicht in Frage zu stellen

Auch wenn die Gesundheitsminister der Länder sich laut dpa auf die Fortführung der Maskenpflicht verständigt haben: Wo kein Virus ist, ist auch kein Notstand und keine Berechtigung für eine Maskenpflicht, kommentiert Silke Hasselmann. Dass Mecklenburg-Vorpommern ein Ende der Pflicht angestoßen hat, sei daher richtig.

 

 

 

Von Silke Hasselmann

 

 

 

 

Ich finde, Harry Glawe hat Recht: In Mecklenburg-Vorpommern ist die Zeit reif, laut und vernehmlich darüber nachzudenken, ob in drei Wochen die Masken fallen dürfen – zumindest beim Einkaufen.

Dass der Schweriner Regierungspartner SPD dem CDU-Minister vorwirft, die gesundheitspolitischen Erfolge im Land aufs Spiel zu setzen, nur damit Handel und Wirtschaft zum Zuge kommen – geschenkt. Erstens klingt das nach dem üblichen wie dämlichen Reflex, als wäre Wirtschaft per se etwas irgendwie Schmuddeliges. Zweitens ist Glawe als Wirtschafts- und Gesundheitsminister von Mecklenburg-Vorpommern beiden Seiten verpflichtet. Zumindest dürfte er in beiden Bereichen besonders gut informiert sein über die jeweilige Faktenlage.

Schild mit Hinweis zur Maskenpflicht in einem Supermarkt. (picture alliance/dpa/Kirsten Nijhof)

Die Furcht, die vielen Urlauber würden Sars-CoV-2 in Größenordnungen nach Mecklenburg-Vorpommern einschleppen, hat sich bislang nicht ansatzweise bestätigt, kommentiert Silke Hasselmann. (picture alliance/dpa/Kirsten Nijhof)

Die Faktenlage zeigt keinen Notstand

Was nun die Corona-Fakten angeht, die – so scheint es mir – bei all der Aufregung um Glawes Äußerung kaum eine Rolle spielen: Die haben sich seit Wochen in der Tendenz nicht verändert. Gerade einmal 804 Infektionen sind im letzten halben Jahr im Nordosten registriert worden, also gerade einmal halb so viele wie kürzlich allein in den Tönnies-Fleischbetrieben. Klar, das seenreiche Land ist mit 1,6 Mio Einwohnern dünnbesiedelt. Aber auch in der Kategorie „Infektionen pro 100.000 Einwohner“ weist das Land seit je den mit Abstand geringsten Wert auf, ebenso bei der Zahl der COVID-19-Erkrankungen, der schweren Krankheitsverläufe und der Todesfälle (derzeit zwanzig). All diese Angaben gehören unbedingt zum Bild, denn nur mit ihnen lässt sich ja herausfinden, ob staatlich angeordnete Infektionsschutzmaßnahmen nötig sind und wenn ja, welche und für wie lange gerechtfertigt.

Und weiter geht´s: Neue Infektionen in den vergangenen 7 Tagen? Laut dem Robert-Koch-Institut gerade einmal zwei. Dabei lässt das zunächst wochenlang abgeschottete Tourismusland seit Pfingsten wieder auswärtige Besucher hinein, und seitdem sind bereits weit mehr eineinhalb Millionen an die Ostseeküste bzw. in die zahlreichen anderen Urlaubsregionen gefahren. Die Furcht, sie würden Sars-CoV-2 in Größenordnungen einschleppen, hat sich bislang nicht ansatzweise bestätigt.

 

 

 

Natürlich kann das auch mit dem Abstandsgebot von 1,50 Meter und der Maskenpflicht etwa beim Einkaufen und Tanken zusammenhängen. Aber die nun schon seit Monaten sehr niedrigen Fallzahlen zeigen vor allem eines: Es gab keinen Notstand, und es gibt ihn jetzt trotz bereits erfolgter Lockerungen und viel mehr Menschen im Land immer noch nicht. Wo aber kein Notstand, da kein Grund mehr für freiheitsbegrenzende Grundrechtseingriffe durch die Politik.

Also zumindest in Mecklenburg-Vorpommern: Weg von der Maskenpflicht, hin zur Empfehlung, und damit weg von der staatlichen Bevormundung, hin zu wieder mehr Selbstverantwortung der Bürger! Und bitte keine Panik: Sogar unter den Ignoranten, die die Maske nicht freiwillig zum Schutz der anderen werden tragen wollen, hat sich das Virus bislang kaum verbreitet.

 

 

 

 

 

 

Silke Hasselmann wuchs in Vorpommern auf. Von 1985 bis 1991 arbeitete sie für das DDR-Jugendradio DT64 und begann ein Fernstudium der Kultur- und Theaterwissenschaften in Berlin. Später war sie als Chefredakteurin von Rockradio B und freie Journalistin für den ORB tätig. Für den Mitteldeutschen Rundfunk berichtete Hasselmann ab 1999 als bundespolitische Hörfunkkorrespondentin aus dem ARD-Hauptstadtstudio und zwischen 2009 und 2014 als Korrespondentin aus den USA. Seit April 2015 ist sie Landeskorrespondentin von Deutschlandradio in Mecklenburg-Vorpommern.

 

 

 

quelle:

deutschlandfunk.de

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alexandra

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