China am Rande des Chaos: 9 Städte, 43 Millionen Menschen unter Quarantäne

China am Rande des Chaos: 9 Städte, 43 Millionen Menschen unter Quarantäne

 

 

 

 

  • 9 chinesische Städte, rund 43 Millionen Menschen, befinden sich effektiv unter Quarantäne
  • Mehrere Fälle auf der ganzen Welt – von Schottland nach Singapur und in die USA
  • 634 Infizierte (laut chinesischen Beamten)
  • 31 Tote (1 aus USA)

 

 

 

 

Es ist eine Abschottungsaktion von schwer vorstellbarer Größenordnung: Mehr als 40 Millionen Menschen in China dürfen ihre Stadt nicht mehr verlassen. Nah- und Fernverkehr ruhen in mehr als zehn großen Metropolen. Wird das die neue Lungenkrankheit eindämmen?

Die Todeszahl ist bereits auf 31 gestiegen, 14 davon außerhalb Chinas, mit bereits 1 Todesfall aus den USA.

 

 

 

Aus Angst vor einer Verbreitung der neuartigen Lungenkrankheit in China sind inzwischen mehr als 43 Millionen Menschen weitgehend von der Außenwelt abgeschottet worden. Auch in den Metropolen Yichang (4 Millionen Einwohner) und Tianmen (1,7 Millionen) wurden am Freitag der öffentliche Nahverkehr, Fernbusse, Fähren und Züge gestoppt, wie die Behörden mitteilten. Die Zahl der bestätigten Infektionen in China stieg auf fast 900. Bisher sind 26 Menschen gestorben. Die meisten hatten schon Vorerkrankungen. In Europa ist bislang keine Infektion mit dem neuartigen Virus bekannt.

 

 

 

 

 

 

 

 

Mit den drastischen Maßnahmen ist nun bereits in mehr als zehn Städten der schwer betroffenen Provinz Hubei die Bewegungsfreiheit der Bewohner stark eingeschränkt. Als erstes waren in der Provinzhauptstadt Wuhan der Bus- und Bahnverkehr, die Flüge und Züge gestoppt worden. Zudem sollen in der Öffentlichkeit Schutzmasken getragen werden. Etliche Besucher konnten die Stadt vorerst nicht mehr verlassen.

Nach Angaben des Europäischen Zentrums für Krankheitsprävention und -kontrolle (ECDC) ist es noch zu früh, um einzuschätzen, ob die Absperrung einer Stadt wie Wuhan etwas Grundlegendes gegen den Ausbruch bringe. Solange das Übertragungsmuster im Detail weiter unklar sei, sei es sehr schwierig, die potenziell positiven Auswirkungen abzuschätzen, teilte ECDC der Deutschen Presse-Agentur mit. Es sei jedenfalls ratsam, das allgemeine Risiko für akute Infektionen der Atemwege einzuschränken. Dies schließe auch mit ein, den Kontakt mit Menschen zu beschränken, die möglicherweise infiziert seien. Bewegungseinschränkungen seien ein möglicher Ansatz bei dem Versuch, eine weitere Ausbreitung des Virus zu vermeiden.

 

 

 

Völlig neu ist Chinas Schritt nach Angaben der Behörde nicht: In geringerem Umfang und an kleineren Orten als Wuhan habe China in der Vergangenheit ähnliche Ansätze verfolgt, um beispielsweise einen Pestausbruch einzudämmen.

Die auf einen neuartigen Coronavirus zurückgehende Infektionswelle überschattet das chinesische Neujahrsfest, das in der Nacht zum Samstag gefeiert wird. Allerdings steht das öffentliche Leben zu dem wichtigsten chinesischen Familienfest ohnehin weitgehend still. In Fabriken und Büros wird nicht gearbeitet. Die meisten Geschäfte haben geschlossen. Studenten und Schüler haben frei.

Zu dem zweiwöchigen Fest sind Hunderte Millionen Chinesen in ihre Heimatorte gereist – was die Sorge vor einer Ausbreitung des Virus noch vergrößerte. Die Behörden riefen die Menschen auf, Mundschutz zu tragen und andere Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen. Aus Angst vor dem Virus schloss auch Disneyland in Shanghai seine Pforten.

Die türkischen Behörden kontrollieren aus Sorge vor einer Einschleppung Reisende aus China mit einer Wärmebildkamera. Am Istanbuler Flughafen, der ein internationales Drehkreuz ist, würden Fluggäste aus China seit dem frühen Freitagmorgen sofort nach dem Verlassen des Flugzeuges gescannt, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu.

 

 

 

 

 

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sah bisher keinen Grund, eine gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite auszurufen. Sie empfiehlt auch keine Reise- oder Handelsbeschränkungen. WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus sagte am Donnerstagabend, der Ausbruch werde aber extrem ernst genommen. «Es ist noch keine Notlage von internationaler Tragweite, aber das kann es noch werden.»

Das Auswärtige Amt in Berlin riet dazu, nicht notwendige Reisen in die betroffenen Gebiete zu verschieben. Das Risiko für deutsche Reisende in Wuhan werde als «moderat» eingeschätzt.

Lungenkrankheit: Wuhan baut Krankenhaus in sechs Tagen

Zur Behandlung von Patienten, die sich mit der neuen Lungenkrankheit infiziert haben, soll in der zentralchinesischen Stadt Wuhan ein Krankenhaus errichtet werden – in nur sechs Tagen.

 

 

 

Die Gebäude für die Anlage mit 1000 Betten werden aus vorproduzierten Bauteilen zusammengesetzt, wie Staatsmedien berichteten. Auf einem Video von der Baustelle waren am Freitag Dutzende Bagger zu erkennen, die das Gelände vorbereiteten. Das Krankenhaus soll ab dem 3. Februar die ersten Patienten aufnehmen.

Während der Sars-Pandemie 2003 war in Peking innerhalb weniger Tage ein Behandlungszentrum entstanden. Tausende Bauarbeiter waren daran beteiligt.

In der Millionenmetropole Wuhan gibt es die meisten Infektionen, weil das neue Coronavirus dort vermutlich auf einem Markt von einer Wildtierart auf den Menschen übergesprungen war. Die Krankheit hat sich inzwischen im ganzen Land verbreitet.

Was über das Corona-Virus bislang bekannt ist

Übertragung

Angenommen wird, dass das Coronavirus durch Tröpfcheninfektion etwa beim Husten übertragen wird. «Eine Ansteckung über kontaminierte Gegenstände gibt es eher nicht», sagte Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM). Vermutet wird demnach derzeit, dass das Virus sich vor allem in den unteren Lungenbereichen ansiedelt und weniger ausgeprägt in den oberen Atemwegen. Das würde ein geringeres Ansteckungspotenzial bedeuten, da der es von Lunge zu Lunge weiter ist als etwa von Nase zu Nase.

Ansteckungsgefahr

Das neuartige Coronavirus ist nach Einschätzung von Experten weiterhin ein kaum ansteckender Erreger. Die meisten Fälle beträfen nach wie vor die Millionen-Metropole Wuhan, das Virus habe sich nicht sehr stark ausgebreitet, sagte Schmidt-Chanasit. Zudem habe sich kaum Krankenhauspersonal angesteckt, und auch bei den Fällen in anderen Ländern habe es bisher keine Übertragung auf weitere Menschen gegeben. «Vielfach geht das Virus höchstens auf einen weiteren Menschen über, dann läuft sich die Infektion tot», erklärte er. Lan ge Übertragungsketten von einem zum nächsten wie bei Sars gebe es bei dem neuen Virus bislang nicht oder höchstens ganz vereinzelt. «Es kann mal ein Erkrankter dabei sein, der viele andere ansteckt, überwiegend wird das Virus aber gar nicht oder an nur eine weitere Person weitergegeben.» Auch nach WHO-Informationen haben sich Menschen bislang nur bei engem Kontakt mit Infizierten angesteckt, in der Familie oder in Praxen und Gesundheitszentren.

Gefährlichkeit

Wie hoch die Sterberate bei dem neuen Erreger sei, lasse sich noch nicht sicher sagen, so Schmidt-Chanasit. «Nach derzeitigen Daten könnte sie ähnlich wie bei der letzten Influenza-Welle in Deutschland liegen.» Allerdings gebe es bei beiden Infektionen eine hohe Zahl sehr milder und daher gar nicht erfasster Erkrankungen, die tatsächliche Sterberate könne daher noch weitaus niedriger liegen.

Anpassungsfähigkeit

Das Virus sei bislang stabil und es seien keine Mutationen beobachtet worden, sagte Michael Ryan, Direktor der WHO-Notfallprogramms, in Genf. «Wir sehen keine Veränderungen in der genomischen Sequenz des Virus.» Coronaviren gelten als sehr anpassungsfähig und wandelbar – Veränderungen im Erbgut könnten das neue Virus gefährlicher und ansteckender machen.

Inkubationszeit

Die bisherigen Daten und die Erfahrungen mit anderen auf Coronaviren zurückgehenden Erkrankungen lassen Experten zufolge eine Inkubationszeit – also einen Zeitraum von der Ansteckung bis zu ersten Symptomen – von im Mittel etwa einer Woche annehmen. «Inkubationszeiten bei Atemwegserkrankungen bewegen sich zwischen 2 und 14 Tagen – und die Extremwerte sind dabei wirklich selten», sagte der Virusforscher Christian Drosten von der Charité in Berlin.

Atemmasken als Schutz

Dass einfache Atemmasken einen guten Schutz vor dem Virus bieten, wird von Experten angezweifelt. Im Zuge der Sars-Epidemie 2002/2003 hätten einige Studien für sogenannte FFP3-Masken einen schützenden Effekt nahelegen wollen, sagte Drosten. «Das waren aber keine normalen Masken, wie man sie in Asien auf der Straße sieht oder bei uns im OP, sondern spezielle Feinpartikelmasken.» Mit solchen Masken könne man im Alltag nicht lange herumlaufen. «Wogegen die normalen Masken schützen, ist vielleicht der häufige Griff an Mund und Nase – also die Schmierinfektion.» Wissenschaftlichen Daten dazu lägen aber nicht vor. Von der WHO hieß es dazu, die Masken würden nicht als Vorbeugung für Gesunde empfohlen, sondern für Patienten und Leute, die sich möglicherweise angesteckt haben, damit sie das Virus nicht verbreiten.

 

 

 

 

 

 

 

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alexandra

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