Bundestag beschließt erleichterten Abschuss von Wölfen

Bundestag beschließt erleichterten Abschuss von Wölfen

 

 

 

Es ist ein sensibles Thema: Wölfe, einst in Deutschland ausgerottet, sollen besser geschützt werden – es gibt aber auch Attacken auf Nutztiere. Nun hat der Bundestag ein neues Gesetz verabschiedet.

 

 

Wölfe dürfen in Zukunft einfacher abgeschossen werden, um Schafe und andere Nutztiere vor dem Raubtier zu schützen. Gegen die Stimmen der Opposition hat der Bundestag ein entsprechendes Gesetz verabschiedet, auf das sich die Große Koalition nach monatelangem Ringen verständigt hatte.

 

 

 

Ein Wolf in einem Gehege im Wildpark Neuhaus (Archivbild)

 

 

Durch 639 Wolfsübergriffe seien im vergangenen Jahr bundesweit 2067 Tiere gerissen worden, sagte der CDU-Abgeordnete Hermann Färber. “Deshalb ist es höchste Zeit, dass wir den Weidetierhaltern in Deutschland wieder eine Perspektive zum Schutze ihrer Tiere bieten.”

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) sagte: “Die Neuregelung zeigt, dass wir berechtigte Sorgen der Bevölkerung und die Interessen der Weidetierhaltung ernst nehmen.” In Zukunft ist ein Abschuss auch dann möglich, wenn unklar ist, welcher Wolf genau zum Beispiel eine Schafherde angegriffen hat. Es dürfen so lange Wölfe in der Gegend geschossen werden, bis es keine Attacken mehr gibt – auch wenn dafür ein ganzes Rudel getötet wird.

 

 

 

 

“Es wird kein unkontrolliertes Rudelschießen geben”

Künftig soll zudem schon eine Abwendung “ernster wirtschaftlicher Schäden” reichen, bisher ist im Gesetz von “erheblichen Schäden” die Rede. Das soll es auch Hobbyschäfern ermöglichen, Entschädigungen zu bekommen, wenn Wölfe zuschlagen.

 

 

 

Trotzdem versicherte der umweltpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Carsten Träger: “Es wird kein unkontrolliertes Rudelschießen geben.” Tatsächlich ist vorgesehen, dass jeder weitere Abschuss von den Behörden der Länder einzeln genehmigt werden muss.

Füttern und Anlocken der geschützten Tiere soll verboten werden, damit Wölfe sich nicht an Menschen gewöhnen. Die gesamten Maßnahmen sollen wirtschaftliche Schäden für Bauern und Hobbyschäfer abwenden und auch Verunsicherung in vielen Dörfern entgegenwirken.

 

 

 

 

WWF: Abschuss muss Ultima Ratio sein

Von der Opposition kam Kritik. Der Linke-Politiker Ralph Lenkert forderte stärkere Hilfen und Entschädigungen für Schäfer. Steffi Lemke (Grüne) warnte vor neuer Unsicherheit. Ein Präventivabschuss von Wölfen sei europarechtlich nicht zulässig. Karsten Hilse (AfD) sprach von einem “zaghaften Schritt in die richtige Richtung”. Karlheinz Busen (FDP) nannte die Regelungen nicht ausreichend.

 

 

 

Die Umweltschutzorganisation WWF begrüßte die Pläne. Sie machten deutlich, dass Ausnahmen vom strengen Schutzstatus des Wolfs und anderer geschützter Tierarten enge Grenzen gesetzt seien. Die Tötung eines Wolfs müsse auch bei der neuen Gesetzeslage Ultima Ratio sein. Um ein langfristiges Miteinander von Menschen, Weide- und Wildtieren zu ermöglichen, seien flächendeckende Maßnahmen zum Herdenschutz in allen Bundesländern mit Wolfsvorkommen das A und O.

Derzeit leben hierzulande etwa 105 Wolfsrudel, zeigt das aktuelle Wolfsmonitoring 2018/2019 des Bundesamts für Naturschutz (BfN) und der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW).

 

 

 

Demnach gibt es die meisten der streng geschützten Tiere auf einem Gebiet, das sich von der sächsischen Lausitz in nordwestliche Richtung ausbreitet. Die meisten Wolfsrudel leben in Brandenburg (41), gefolgt von Sachsen (22) und Niedersachsen (21).

Ein Wolfsrudel besteht meist aus drei bis elf Tieren – den Eltern und den Nachkommen der letzten zwei Jahre. Hinzu kommen 25 erfasste Wolfspaare und 13 sesshafte Einzelwölfe. Insgesamt schätzen Experten den gesamten Bestand auf 275 bis 301 erwachsene Tiere.

 

 

 

Erstmals seit die Art in Deutschland ausgerottet wurde, sind zudem einzelne ortstreue Wölfe in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein erfasst worden.

Das Risiko, dass Menschen von einem Wolf angefallen werden, ist jedoch gering. Seit wieder Wölfe in Deutschland leben, ist kein Zwischenfall dokumentiert, in dem sich eines der Tiere einem Menschen gegenüber aggressiv gezeigt hat.

 

 

 

 

 

wit/dpa

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alexandra

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