Cannabis bei und gegen Krebs

Cannabinoide und Cannabis bei Krebs: neue Medikamente

In den letzten Jahren häufen sich Meldungen, dass die Hanfpflanze (Cannabis sativa/indica) oder ihre einzelnen Wirkstoffe, die sogenannten Cannabinoide, Krebs heilen könnten. Dabei wird auf einzelne Patientenberichte oder auf Untersuchungsergebnisse verwiesen. Es ist daher kein Wunder, dass sich Krebspatienten näher über den möglichen Nutzen von Cannabis bei Krebserkrankungen informieren möchten.

Cannabis und Cannabinoide können bei Krebspatienten hilfreich sein. Sie werden wirksam bei typischen Beschwerden eingesetzt, die im Rahmen einer Krebserkrankung auftreten. Dazu zählen Übelkeit und Erbrechen während der Chemotherapie, Schmerzzustände, Ängste, Depressionen und Schlaflosigkeit. Mittlerweile kann bei diesen Heilanzeigen eine Kostenübernahme für Cannabis bei der Krankenkasse beantragt werden (siehe unten). Wir beschäftigen uns zunächst mit der Frage: Kann Cannabis auch den Krebs besiegen?

 

“Cannabis heilt Krebs”: was meist hinter solchen Aussagen steckt

Immer wieder kursieren im Internet Berichte, dass Cannabis (zum Beispiel in Form des Rick-Simpson-Öls) ein sehr wirksames Krebsmedikament sei. Diese Aussage wird entweder mit einzelnen Fallbeispielen oder mit einzelnen Forschungsergebnissen untermauert. Es handelt sich bei diesen Forschungsergebnissen jedoch nicht um Studien an Menschen, sondern um Untersuchungen an isolierten Krebszellen, die im Labor mit den Wirkstoffen der Cannabispflanze in Berührung kommen. Neuere Untersuchungen zeigen auch, dass einzelne Patienten von der Einnahme von Cannabis bei Hirntumoren profitieren konnten.

 

Cannabis bei Krebs

In Laborversuchen lassen Cannabinoide Krebszellen absterben.

 

 

 

 

 

Diese Studien sind interessant, haben jedoch nur eine eingeschränkte Aussagekraft, was die mögliche Wirkung von Cannabis bei Krebserkrankungen beim Menschen betrifft. Sie zeigen auf, dass die Wirkstoffe von Cannabis Krebszellen im Laborversuch absterben lassen. Sie belegen jedoch nicht, dass dies auch im menschlichen Körper der Fall wäre und welche Dosierung dabei verwendet werden müsste.

Bei Fallbeispielen haben wir ein ähnliches Problem: Was bei einzelnen Patienten zu einer Heilung führt, kann nicht verallgemeinert werden. Diese Einzelberichte finden aber trotzdem Anerkennung und Wirkung. Sie sind zum Beispiel mit ein Grund dafür, dass in den letzten Jahren intensiver über die krebswidrigen Wirkungen von Cannabis geforscht wird.

 

Cannabis bei Krebs: das Cannabinoid Cannabidiol (CBD)

Das Cannabinoid Cannabidiol (CBD) wird in letzter Zeit häufiger genannt, wenn es um die krebswidrigen Eigenschaften von Cannabis geht. Bis jetzt zeigen leider nur Erkenntnisse aus Tierversuchen oder Untersuchungen an isolierten Tumorzellen die krebswidrigen Eigenschaften von Cannabidiol auf. Versuche, die die Wirksamkeit von Cannabidiol bei menschlichen Krebspatienten untersuchen, fehlen bisher.

Laborversuche zeigen, dass Cannabidiol das Wachstum von verschiedenen Krebszellen hemmen kann, insbesondere von Leukämie-Zellen, Gebärmutterhals-, Brust- und Prostatakrebszellen. Bemerkenswert sind zudem die Wirkungen von Cannabidiol auf Krebszellen des Nervensystems. Cannabidiol kann das Wachstum von Neuro- und Glioblastomen hemmen.

Die Wirkung von Cannabidiol auf Krebserkrankungen ist also noch nicht abschließend geklärt. Sicher ist jedoch, dass Krebspatienten von der Einnahme von Cannabidiol profitieren können.

 

Die klinische Forschung überprüft, ob Cannabis Krebs heilen kann

Die Frage, ob Cannabis Krebserkrankungen heilen kann, ist eigentlich nur mit der klinischen Forschung zu beantworten. Klinische Forschung bedeutet, dass die Wirkung eines gewissen Stoffes bei menschlichen Patienten untersucht wird. Die klinische Forschung ist die Basis für den Einsatz von Medikamenten. Sie untersucht neben der Wirkung auch die Verträglichkeit und die richtige Dosierung eines Wirkstoffes. Jedes Medikament, das die Schulmedizin einsetzt, muss eine Reihe klinischer Studien durchlaufen. Wenn Cannabis eines Tages als Krebsmedikament zugelassen werden soll, müssen eine Reihe klinischer Studien vorliegen.

 

Zunächst die schlechte Nachricht: Bisher wurde erst eine Studie abgeschlossen, die die Wirkung von Cannabis bei Krebserkrankungen untersucht. Diese Studie hat eine eingeschränkte Aussagekraft, da nur sehr wenige Patienten daran teilnahmen. Zudem sind alle Patienten trotz der Behandlung mit Cannabis an der Krebserkrankung (Glioblastom) verstorben. Bei einzelnen Patienten hatte sich das Krebswachstum jedoch deutlich verlangsamt. Der Autor der Studie, der Spanier Manuel Guzman, äußerte sich in der Dokumentation “Cannabis gegen Krebs” vom Sender 3sat:

 

“Wir können nicht so naiv sein und glauben, dass Cannabinoide plötzlich jeden Krebs bei jedem Patienten heilen können. Ich würde sagen, dass es wahrscheinlich und wünschenswert ist, dass Cannabinoide in bestimmten Situationen wirken können.”

 

Nun die gute Nachricht: Aktuell sind weitere klinische Studien in Planung. Der Fokus liegt hierbei bei Krebserkrankungen des Nervensystems. Fünf klinische Studien mit Krebspatienten stehen bereits kurz vor dem Abschluss. Über deren Ausgang werden wir hier in diesem Artikel berichten. Eine davon scheint bereits interessante Resultate zu liefern. Es handelt sich hierbei um eine Studie mit Patienten mit Hirntumoren, die Sativex zusätzlich zur Chemotherapie erhielten. Die Überlebensrate konnte sich hierbei deutlich bessern.

 

Bald herrscht hoffentlich Klarheit darüber, ob Cannabis Krebs heilen kann

Zusammenfassend lässt sich sagen: Forschungen an isolierten Krebszellen zeigen das Potential von Cannabis und einzelnen Cannabinoiden wie TBC und CBD bei Krebserkrankungen auf. Diese Ergebnisse lassen sich jedoch nicht so einfach auf die Behandlung von Menschen übertragen. Ob Cannabis Krebserkrankungen bei Menschen heilen kann, kann nur durch klinische Studien überprüft werden.

 

Leider wurde bisher zu dieser Thematik erst eine klinische Studie abgeschlossen. Die gute Nachricht: Weitere folgen bald. Fünf klinische Studien werden bald veröffentlicht, weitere sind schon geplant.

 

 

Beschwerden von Krebspatienten mit Cannabis behandeln

In einzelnen Studien wurden krebswidrige Wirkungen von Cannabis festgestellt. Es ist aber noch nicht klar, ob diese ausreichend sind, um Cannabis eine Zukunft als Krebsmedikament zu bescheren. Trotzdem können Krebspatienten von der Einnahme von Cannabis und Cannabinoid-haltigen Medikamenten profitieren. Die Cannabinoide THC und CBD können hilfreich sein,

 

  • um typische Nebenwirkungen von schulmedizinischen Krebstherapien zu lindern. Dazu zählen unter anderem Übelkeit, Erbrechen und Appetitlosigkeit.
  • um Beschwerden, die während einer Krebserkrankung auftreten, zu behandeln. Dazu zählen unter anderem Tumorschmerzen, depressive Verstimmungen, Gewichtsverlust und Ängste.

 

Die Behandlung von Beschwerden und therapiebedingten Nebenwirkungen bei Krebspatienten trägt dazu bei, die eigene Lebensqualität zu fördern und nach Möglichkeit zu erhalten. Cannabis hierfür hilfreich sein.

 

Cannabis bei Schmerzen

Cannabis wurde seit Jahrhunderten bei verschiedenen Arten von Schmerzen eingesetzt. Dazu zählen unter anderem Menstruationsbeschwerden, Migräne, Nervenschmerzen oder Wehen. Es liegt daher nahe, dass sich Wissenschaftler auch für die Wirkung von Cannabis bei Krebsschmerzen interessierten.

Die Forschung zeigt: Von den schmerzstillenden Eigenschäften des Wirkstoffs THC können besonders Patienten mit Nervenschmerzen profitieren. Nervenschmerzen können bei Krebserkrankungen als Nebenwirkung von Krebstherapien (zum Beispiel: Polyneuropathie) oder infolge des Krebswachstums auftreten. 29 aussagekräftige klinische Studien konnten dies bestätigen.

In einzelnen Ländern werden Cannabis oder Cannabis-Medikamente wie Sativex bereits standartmäßig zur Behandlung von Nervenschmerzen bei Krebspatienten eingesetzt. Ein Vorgehen, das mittlerweile auch von der Kanadischen Schmerz-Gesellschaft empfohlen wird.

Bei Tumorschmerzen kann die Behandlung mit Cannabidiol (CBD) oder Cannabidiol-reichen Cannabissorten hilfreich sein.

Übelkeit und Erbrechen

Die lindernde Wirkung von Cannabis bei Übelkeit und Erbrechen ist äußerst gut belegt. Krebspatienten können davon profitieren, wenn diese während einer Chemotherapie auftreten. Auch bei Übelkeit und Erbrechen nach einer Behandlung mit Strahlentherapie kann Cannabis hilfreich sein.

 

Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust

Cannabinoide können über eine Beeinflussung des Endocannabinoid-Systems auch den Appetit beeinflussen. THC stimuliert den Appetit, während CBD eher appetithemmend wirkt. THC-reiches Cannabis oder Medikamente mit hohem THC-, Nabilon- oder Dronabinol-Gehalt können bei Krebspatienten hilfreich sein, die aufgrund der Krebstherapien an Appetitlosigkeit leiden. Für Krebspatienten ist es wichtig, Appetitlosigkeit rechtzeitig zu behandeln. Sie sind nämlich auf die regelmäßige und ausreichende Zufuhr an Energie und Nährstoffen angewiesen. Ist diese nicht gewährleistet, kann es zu Mangelernährung und Auszehrung kommen. Beide gehen mit teils gravierenden Folgen für den Patienten einher.

Die appetitsteigernde Wirkung von THC konnte in verschiedenen Studien nachgewiesen werden.

 

Depressive Verstimmungen und Ängste

Depressive Verstimmung und Ängste sind weitere Beschwerden von Krebspatienten, die mit Cannabinoiden behandelt werden können. Hierfür liegen bereits einzelne Studienergebnisse mit Patienten, die an anderen Erkrankungen litten, vor.[25] THC und THC-reiches Cannabis sind für ihre stimmungsaufhellenden Wirkungen bekannt.

 

Bei depressiver Verstimmung können Cannabis und seine Cannabinoide hilfreich sein.

 

Eine hilfreiche Option bei Ängsten ist das Cannabinoid CBD. CBD kann das Auftreten von Ängsten unterdrücken. Zudem fördert CBD das Vergessen oder Verdrängen von angstmachenden und traumatisierenden Erinnerungen. Letzteren Effekt versucht man sich unter anderem bei der Posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) zunutze zu machen.

Bereits geringe Dosierungen (30 mg CBD) können bei Ängsten hilfreich sein.

 

 

 

 

 

Besonders wirksam scheint CBD besonders dann zu sein, wenn die Ängste durch negative Erinnerungen hervorgerufen werden.

 

Quelle

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